Schweizer Riegel – die Gladiatorenedition

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Kennt eigentlich jemand noch den Schweizer Riegel? Nein, kein Schoko-Snack…

Erfunden hatte ihn der gebürtige Österreicher Karl Rappan, in den 1930er Jahren. Rappan war damals Trainer beim Grasshopper Club Zürich und – quasi nebenbei – Trainer des eidgenössischen Nationalteams.

Die Schweizer Nationalmannschaft war damals… wie soll man das beschreiben… naja, so eine Art SG Nordring des europäischen Fußballs. Als die WM 1938 anstand, musste er sich also etwas einfallen lassen.
Die Taktik die die Schweizer dann anwandten, war – simpel erklärt – alles in der eigenen Hälfte zu positionieren und auf eine Konterchance zu warten.
Es funktionierte.
In der Qualifikation wurden nicht nur Schweden und Finnland auf die Plätze verwiesen – auch der WM-Dritte von 1934 musste in der Vorrunde – nach einem ersten 1:1 – mit 2:4 die Segel streichen. Später wurde das System von den Italienern kopiert und als „Catenaccio“ berühmt (beziehungsweise berüchtigt).

Also Nordring.

Der Kreisliga-B-Vertreter, der in der vergangenen Saison knapp die Klasse halten konnte, traf auf den Landesligaabsteiger SV Blau Gelb Berlin.

Die Prenzlauer Berger alle in der eigenen Hälfte. Und verteidigen.
Aber was heißt hier „verteidigen“.
Es war ein Kampf, mit Zähen und Klauen – keinesfalls unfair, aber mit einem enormen Körpereinsatz. Da wurde sich in fliegende Bälle geworfen – ein Schutzwall von Körpern im Torraum. Und mittendrin Torwart Martin Wehy, entweder durch die Luft hechtend oder Kommandos rufend, – nein – brüllend…

Und Blau Gelb?

Angriff über den rechten Flügel, Eingabe in den Strafraum, abgewehrt, Eckball, Ecke ausgeführt, abgewehrt, Eckball, Tor-Aus.
Dann Abstoß Nordring, zwei Prenzlauer Berger in der Weißenseer Hälfte, verlieren den Ball, Wehy: „Zuuuurüück! Zuuuurüück!!!“; Angriff Blau Gelb über den rechten Flügel, Eingabe in den Strafraum, abgewehrt, Eckball, Ecke ausgeführt, abgewehrt, Eckball…
Das ging so bis zur 36 Minute.

Dann fiel das erste Tor.

Für Nordring.

Wie genau es zustande kam, war aus der Entfernung nicht zu erkennen – nur, dass es bei einem der seltenen Nordring-Vorstöße eben keinen Ballverlust gegeben hatte und die Kugel im Weißensser Netz zappelte.

Blau Gelb zog die Konsequenzen und ändert die Taktik radikal.

Nun kam die Angriffe über den linken Flügel. Dann Eingabe in den Strafraum, abgewehrt, Eckball, Ecke ausgeführt, abgewehrt, Eckball, Tor-Aus.
Nach einigen Kollisionen (Ball – Pfosten, Ball – Querlatte, Torwart – Pfosten) waren die ersten 45 Minuten um und es stand immernoch 1:0 für Nordring.

In der Pause hatte es angefangen zu regnen und für einen Moment wünschte man sich statt des Kunstrasens einen zur Grasnarbe heruntergespielten Rasenplatz – des Schlammes wegen.

Doch es war auch so dramatisch genug.

Blau Gelb blieb bei seiner erfolgreichen Taktik, keine Tore zu schießen und die Nordringer, mittlerweile reihum mit Blessuren versehen, kämpften wie die Berserker.
Da, wo Marin Wehy nicht so schnell hin fliegen und sich auch gerade kein Nordringkörper dazwischenwerfen konnte, rette das Gebälk.
Das ging so bis zur 62. Minute. Da hatte Wehy gerade wieder einen Schuss abgewehrt, dummerweise vor die Füße eines eigenen Abwehrspielers. Der machte eine unbedachte Bewegung – 1:1.

In der 70. Minute dann das 2:1 – diesmal diesmal von Blau Gelb selbst getroffen.
Zwischenzeitlich musste ein Nordringer verletzt am Spielfeldrand behandelt werden – Ersatzspieler waren nicht mehr vorhanden – und nun purzelten die Tore 3:1, 4:1, 5:1, 6:1.

Dann war Schluss.

Erkenntnisse des Tages.

1. Die Nordringer können noch kämpfen.

2. Blau Gelb brauchte erst ein Selbsttor – mit der dazugehörigen demoralisierenden Wirkung – sowie eine zahlenmäßige Überlegenheit, um einen sicheren Sieg einfahren zu können.

 

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2 Responses to “Schweizer Riegel – die Gladiatorenedition”

  1. BFCer

    Jul 28. 2015

    Das war ein guter Abschied aus dem Turnier von der SG. Nach zwei wirklich beschämenden Spielen gegen Karow und Blankenburg erfolgte ein Aufbäumen einer mutig kämpfenden Truppe gegen einen Gegner, der spielerisch und läuferisch überlegen war.

    Traurig nur, dass der Störfaktor Schmieglitz, der durch seine unsachlichen Kommentare von der Seitenlinien seit Jahren negativ auffällt, nicht den Anstand besaß, sich bei seinen Männern zu bedanken, die nur als Notlösung für den Verein und auf seinen Wunsch hin in die Bresche sprangen.
    Bezeichnent für seine „Arbeit“, dass zwei von drei Mannschaft geschlossen nach der vergangenen Saison der SG Nordring den Rücken zuwandten.
    Seiner Abwahl als Präsident kann man nur entgegensehen und hoffen, dass die verbliebende Mannschaft, sich in der kommenden Saison weiter findet und der Verein dadurch am Leben bleibt.

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  2. hehe

    Aug 03. 2015

    „…durch seine unsachlichen Kommentare von der Seitenlinien seit Jahren negativ auffällt…“ – und sowas schreibt ein BFCer! haha.

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